Das altersbedingte Ausscheiden aus dem Berufsleben, die Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation, die verbesserte Arbeitsmarktsituation, die steigende Inanspruchnahme von Betreuungsplätzen sowie die Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz für Kinder vom vollendeten ersten bis zum vollendeten dritten Lebensjahr und die Absenkung des Elternbeitrages haben zu einem steigenden Bedarf an Fachkräften in der Kindertagesförderung geführt. Auch Maßnahmen benachbarter Bundesländer führen dazu, dass Fachkräfte abwandern. Wichtige Ursachen für die Probleme bei der Besetzung der Personalstellen und Gewinnung von Auszubildenden liegen in der mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung der Tätigkeit und in relativ unattraktiven Ausbildungs- (Dauer) und Arbeitsbedingungen (Gehälter, Teilzeit).

Den gesetzlichen Weg für eine Ausbildung und Beschäftigung von Absolventen der geplanten Ausbildung zur "Fachkraft für Kindertageseinrichtungen" zu öffnen, bevor Inhalte und formale Kriterien der Ausbildung überhaupt feststehen, erachten wir als „Schuss ins Blaue“. Wir schlagen daher vor, die praxisintegrierte Ausbildung nicht vor dem Schuljahr 2018/ 2019 zu starten und dem Gesetzgeber die Möglichkeit einzuräumen, die geplanten Ausbildungsregelungen des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur in die parlamentarische Willensbildung einzubeziehen. Gleichzeitig schlagen wir vor, die Landesregierung aufzufordern, die Attraktivität der klassischen Erzieherausbildung weiter zu erhöhen, Maßnahmen zur Gewinnung zusätzlicher Fachkräfte, z.B. durch ein größeres Angebot berufsbegleitender Weiterbildung von Assistenzkräften, insbesondere Sozialassistenten, auszubauen und durch begleitende schulgesetzliche Änderungen die Finanzhilfe für die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern an den privaten Berufsfachschulen und Fachschulen zu verbessern.

1. Die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern in Mecklenburg-Vorpommern findet vorrangig an Fachschulen statt. Von den rund 1214 Schülerinnen und Schüler lernen rund 53 Prozent an den privaten Fachschulen. Es handelt sich hierbei um eine etablierte, sehr nachgefragte Ausbildung, die auf Fachschulniveau eine Anschlussfähigkeit an international und bundesweit angestrebte Akademisierungstendenzen sichert. Die Ausbildung an den staatlichen und staatlich-anerkannten Fachschulen zur Erlangung des Abschlusses „Staatlich anerkannte Erzieherin/ Staatlich anerkannter Erzieher“ gliedert sich in eine zweijährige Ausbildung zur/ zum SozialassistentIn an der Berufsfachschule für Sozialassistenz und eine zweijährige Fachschulausbildung zum „Staatlich anerkannten Erzieher". Zugangsvoraussetzungen zu der Ausbildung ist die mittlere Reife. Beide Ausbildungen sind inhaltlich aufeinander aufbauend und modular gestaltet. Bewerberinnen und Bewerber, die die allgemeinen Aufnahmevoraussetzungen erfüllen und über die Fachhochschulreife beziehungsweise Allgemeine Hochschulreife oder über eine mindestens zweijährige abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, können unmittelbar in die zweite Jahrgangsstufe der SozialassistentInnenausbildung aufgenommen werden. Für sie verkürzt sich die Ausbildung damit auf drei Jahre. Aufgrund der Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK) wird das zweite Ausbildungsjahr Sozialassistenz für alle Auszubildenden als erstes Ausbildungsjahr für die Berufsausbildung zur „Staatlich-anerkannten Erzieherin/ Staatlich anerkannten Erzieher“ gewertet. Durch die Verkürzung der Ausbildungszeit von 60 auf 48 Monate, ausgehend von der mittleren Reife, konnten bereits mehr als 500 Absolventen früher eingestellt werden. Da sich an der grundständigen dreijährigen Erzieherausbildung nichts geändert hat und sie daher den Vorgaben der Kultusministerkonferenz entspricht, stehen dieser Verkürzung keine fachlichen Bedenken gegenüber.

Mit dem Abschluss „Staatlich anerkannte Erzieherin/ Staatlich anerkannter Erzieher“ kann gleichzeitig die Fachhochschulreife erworben werden. Dadurch sind Anschlussqualifikationen auf Hochschulniveau für alle Absolventen gewährleistet. Ob dies bei der geplanten Ausbildung zur „Fachkraft für Kindertageseinrichtungen“ auch der Fall sein wird, ist unbekannt. Durch die verkürzte theoretische Ausbildung ist dies zumindest fraglich.

Der fachpraktische Teil der klassischen Erzieherausbildung umfasst drei Phasen mit insgesamt 1600 Stunden; rund ein Drittel der Ausbildungszeit. Bei der praxisintegrierten Ausbildung sollen voraussichtlich 50 Prozent der Ausbildung in einer Ausbildungseinrichtung (Krippe, Kiga oder Hort) erfolgen. Dadurch sollen die Einrichtungsträger ihre zukünftigen Fachkräfte über einen längeren Zeitraum en block kennen lernen. Die Trägergebundenheit ermöglicht es Auszubildenden jedoch nicht mehr, unterschiedliche Philosophien, Konzepte und Ansätze der verschiedenen Einrichtungsträger kennenzulernen. Ihre Abhängigkeit von Lehrausbildern (ohne Ausbildungseignungsprüfung) und persönlicher Passung – Grundproblem der betrieblichen Ausbildung – könnte sogar die Gefahr von Ausbildungsabbrüchen erhöhen. Ein intensiver Praxisbezug ist bei der fachschulischen Ausbildung gewährleistet: In den drei Praktika werden alle drei unterschiedlichen Einsatzfelder (z.B. Krippe, Kindergarten, Hort, Heim, Jugendclub) abgedeckt. Für diesen Ausbildungsweg spricht, dass die verschiedenen Einsatzfelder eine flexible Einsatzmöglichkeit sowohl aus Sicht des Absolventen, für den eine berufliche Mobilität wichtig ist, als auch des Einrichtungsträgers ermöglichen. Auch PIA in Baden-Württemberg sieht Praktikumsphasen in allen Altersstufen (Unter Dreijährige, 3-6-jährige Kinder, Schulkinder/ Jugendliche) vor; die Anrechnung auf den Personalschlüssel der Kita erfolgt abgestuft nach Ausbildungsjahren.

Praktikumseinrichtungen – und erst recht Einrichtungen der betrieblichen Ausbildung – benötigen einen Vorlauf, um sich auf die praktische Begleitung und Aufgaben der Ausbildung vorzubereiten. Entsprechende Anforderungen sind auch an das Personal zu stellen. Nach unseren Erfahrungen der fachpraktischen Phasen der fachschulischen Erzieherausbildung bei der Zusammenarbeit von Lehrern, Praxisteams und MentorInnen aller Träger und Einrichtungen bedarf es einer intensiven Vorbereitung der Praxisbegleiter und -anleiter (Lehrausbilder), um eine gute Ausbildungsbegleitung zu ermöglichen. Schon bei den 6-wöchigen Praktika berichten Mentoren über eine starke Arbeitsbelastung und ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für Ausbildung und persönliche Entwicklung. Ein Ausbildungsbeginn zum Schuljahr 2017/ 2018 in Einrichtungen, die möglicherweise Erfahrungen mit Praktika, nicht aber mit der betrieblichen Ausbildung haben, erscheint allein vor diesem Hintergrund übereilt und wie ein „Sprung ins kalte Wasser“.

Bislang gibt es keine verbindliche Aussage zu den schulischen Zugangsvoraussetzungen (Berufsreife, Mittlere Reife, gleichwertige Schulbildung oder Anerkennung nonformal erworbener Vorkenntnisse). Unbekannt sind ebenso Anforderungen von Mindestleistungen in einzelnen Fächern oder Grundfertigkeiten, z.B. im Spiel eines Musikinstrumentes. Auch Informationen hinsichtlich einer möglichen Ausbildungsverkürzung für Schüler/innen, die über die Fachhochschulreife beziehungsweise Allgemeine Hochschulreife oder über eine mindestens zweijährige abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, liegen zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor, sind allein dem Verordnungsgeber überlassen und nicht Teil der parlamentarischen Willensbildung.


2. Die Einführung der praxisintegrierten Ausbildung betrachten wir in der vorgesehenen Art und Weise sehr kritisch. Kernproblem ist nach unserer Ansicht die Verdrängung der bundesweit anerkannten vollzeitschulischen Ausbildung: Die Einführung der praxisintegrierten Ausbildung für Schulabgänger mit mittlerer Reife und Abitur wird nach unserer Auffassung den Ausbildungsweg dieser Schülerinnen und Schüler verlagern, zu rückläufigen Bewerbern in der Sozialassistenten- und Erzieherausbildung führen und das gesetzgeberische Ziel verfehlen, die Absolventenzahlen insgesamt zu erhöhen:

Eine praxisintegrierte Ausbildung, wie sie der Gesetzentwurf vorsieht, stellt zweifellos eine attraktive Ausbildungsmöglichkeit für Bewerber dar, für die bislang eine Erzieherausbildung nicht offensteht, z.B. weil sie vom schulischen Abschluss her die Aufnahmebedingungen nicht erfüllen. Dieses Anliegen verfolgte auch PIA in Baden-Württemberg, auf dessen Erfahrungen die Landesregierung verweist. Hintergrund war das Anliegen, eine Erzieherausbildung auch für Seiteneinsteiger mit (teilweise sogar lediglich persönlichen, nicht beruflichen) sozialpädagogischen Erfahrungen und für Absolventen ohne Abitur zu ermöglichen. Anders als von der Landesregierung bislang vorgesehen, sind der dreijährigen praxisintegrierten Ausbildung in Baden-Württemberg je nach Vorqualifikation aber das einjährige Berufskolleg für Sozialpädagogik oder ein Vorpraktikum vorgeschaltet, so dass z.B. die Ausbildungsdauer teilweise vier Jahre beträgt. Damit dauert die Ausbildung in Baden-Württemberg nicht nur ein Jahr länger als hier vorgesehen; sie entspricht bei Schülern mit mittlerer Reife auch der Ausbildungsdauer zum Erzieher (einjähriges Berufskolleg plus dreijährige Fachschule). Dies ist auch der Grund, warum Schülerzahlen an den Erzieherfachschulen in Baden-Württemberg auf dem Niveau geblieben sind, auf dem sie vor der Einführung von PIA waren und insgesamt zusätzliche Ausbildungsinteressierte gewonnen wurden: der alternative Ausbildungsweg ist nicht kürzer als die klassische Erzieherausbildung. Auch bei dem Modellversuch „OptiPrax“ in Bayern ist bei Bewerbern mit mittlerer Reife ein einjähriger Vorkurs an der Fachakademie für Sozialpädagogik vorgeschaltet; die Ausbildungsdauer beträgt damit insgesamt 4 Jahre. Bei Bewerbern ohne mittlere Reife muss zuvor die zweijährige Ausbildung zum Kinderpfleger absolviert werden (Ausbildungsdauer also insgesamt 5 Jahre).

Bei dem hier geplanten Ausbildungsmodell wird der bisherige Ausbildungsweg für Schülerinnen und Schüler mit mittlerer Reife hingegen unattraktiv, da die praxisintegrierte Ausbildung ein Jahr kürzer ist, als bei der Sozialassistenten- und Erzieherausbildung. Mit der Zulassungsvoraussetzung der Berufsreife oder einer gleichwertigen Schulausbildung würde sich die Ausbildungsdauer im Vergleich zum Abschluss Erzieher sogar um zwei Ausbildungsjahre verkürzen (zwei Jahre Berufsfachschule Kinderpflege + ein Jahr Höhere Berufsfachschule Sozialassistenz + zwei Jahre Fachschule Erzieher). Wir befürchten deshalb eine „Flucht“ von der Fachschule hin zur Fachkraftausbildung. Aus Rückmeldungen von Erzieherfachschulen wissen wir, dass seit Ankündigung einer praxisintegrierten Ausbildung mit Ausbildungsvergütung zum Herbst 2017 Bewerberzahlen zurückgehen. Aus Bewerbungsgesprächen mit Interessierten, die sich an den Fachschulen über den Erzieherberuf informieren, wissen wir, dass Ausbildungsinteressierte seit der offensiven Ankündigung der neuen Ausbildung durch die Landesregierung sehr verunsichert sind, mit Bewerbungen für die schulische Ausbildung abwarten oder sogar bereits geschlossene Schulverträge widerrufen, die sie zuvor nicht nur in Kenntnis der fehlenden Ausbildungsvergütung sondern auch fälliger Schulbeiträge bereits abgeschlossen hatten. Ausbildungsinteressierte gaben an, sie würden lieber ein FSJ absolvieren und dann die dreijährige Ausbildung beginnen wollen. Hauptkriterium sind kürzere Ausbildungsdauer und Ausbildungsvergütung: „Ich kann mir die Klamotten und das Handy kaufen, das ich will.“ (Zitat). Die Tatsache, dass der spätere Einsatz nur bei Kindern bis 10 Jahren möglich ist und es sich nicht um eine bundesweit anerkannte Ausbildung handelt, scheint bei der Entscheidungsfindung der Ausbildungsinteressierten keine besondere Rolle zu spielen. Anders als in Gesprächen, an denen Eltern teilnehmen.

Die Bundesländer Bayern und Sachsen-Anhalt haben sich bei der Prüfung einer dualen Erzieherausbildung deshalb für einen anderen Weg entschieden: Während Bayern zur Vermeidung einer Wettbewerbssituation zwischen dualer und schulischer Ausbildung einen Modellversuch durchführt, der genau diesen Effekt zunächst einmal untersuchen soll, hat Sachsen-Anhalt einen Modellversuch gestartet, bei dem sich die praxisintegrierte Ausbildung zur „Fachkraft für Kindertageseinrichtungen“ auf DQR-Level 4 für jeden Bewerber deutlich von Anspruch und Einsatzmöglichkeiten der Erzieherausbildung (DQR-Level 6) unterscheidet, um eine Konkurrenzsituation beider Ausbildungen zu vermeiden und unterschiedliche Bewerbergruppen anzusprechen. Eine unnötige und kontraproduktive Wettbewerbssituation gilt es zudem nicht nur zwischen den Ausbildungswegen, sondern auch in den Einrichtungen zu vermeiden: Kitamitarbeiter mit unterschiedlichen Abschlüssen (Sozialassistent, Erzieher, Frühpädagogen, Kitafachkraft) stehen automatisch in einem konkurrierenden Verhältnis und werden voraussichtlich wegen unterschiedlicher Eingruppierung in den entsprechenden Tarifverträgen auch unterschiedlich bezahlt, trotz gleicher praktischer Aufgabenbereiche.


3. Im Vergleich der Ausbildungswege am Beispiel von Bewerbern mit Berufsreife stellt sich die Frage, warum die für Schüler mit Berufsreife vorgesehene dreijährige berufsfachschulische Ausbildung zum staatlich anerkannten Kinderpfleger (Praxisanteil 50,7%), mit dessen Abschluss nach § 8 der Berufsfachschul-Verordnung zugleich die mittlere Reife erworben wird, (nur) für unterstützende Aufgaben bzw. Assistenzaufgaben in der Kindertageseinrichtung qualifiziert (§ 10 Abs. 3 KiföG), während die ebenfalls dreijährige praxisintegrierte Ausbildung, die zu einem Berufsabschluss führt, dem Erzieher in der Kindertageseinrichtung gleichgestellt wird. Denn nach jetziger Rechtslage müsste eine „Fachkraft für Kindertageseinrichtungen“ wie der staatlich anerkannte Kinderpfleger eine weitere, mindestens dreijährige Ausbildung absolvieren, um dem Erzieher formal gleichgestellt zu sein (ein Jahr Höhere Berufsfachschule Sozialassistenz plus zwei Jahre Fachschule für Erzieher). Dazu kommt, dass Ausbildungsinhalte und Praxisanteil beider Ausbildungen, insbesondere der Fokus auf die pädagogische Arbeit mit 0 bis 10-jährigen Kindern, vergleichbar sind.

4. Die klassische 4-jährige vollzeitschulische Ausbildung mit Praktika, die in ihrem Umfang im Übrigen in etwa dem Praxiseinsatz in der dreijährigen praxisintegrierten Ausbildung entsprechen, wird im Wettbewerb der Ausbildungen dauerhaft nur Bestand haben, wenn die Vor- und Nachteile der beiden Ausbildungen offen kommuniziert werden und wenn die Ausbildung generell – auch bei freien Trägern – in beiden Ausbildungsformen ab dem neuen Schuljahr schulgeldfrei ist (Beispiel Berlin) und ab dem Schuljahr 2018/2019 eine Vollfinanzierung der Ausbildungen an allen staatlichen und freien Schulen erreicht werden kann. Um die Attraktivität der Erzieherausbildung zu erhöhen, die zur Hälfte an staatlich anerkannten Ersatzschulen stattfindet, schlagen wir deshalb vor, den Finanzhilfesatz für die Schülerinnen und Schüler in den Ausbildungsgängen Sozialassistenz und Erzieher von 80 auf 100 Prozent zu erhöhen (§ 128 Abs. 5 SchulG M-V) und den verbleibenden individuellen Schulbeitrag der Schülerinnen und Schüler teilweise oder vollständig als direkte Landesausbildungsbeihilfe zu bezuschussen.

Der Finanzhilfesatz für die beruflichen Bildungsgänge Sozialassistenz und Erzieher beträgt 80 Prozent des Schülerkostensatzes der entsprechenden staatlichen Schulform in Höhe von 4.276,50 EUR (Sozialassistenz) bzw. 3.887,72 EUR (Erzieher). Die Differenz der Ausbildungspersonalkosten der jeweils zweijährigen Ausbildung in Höhe von 1.710,60 EUR bzw. 1.555,08 EUR je Schüler hat der freie Schulträger selbst zu erwirtschaften, in der Regel durch Schulbeiträge. Durch die Erhöhung des Finanzhilfesatzes auf 100 Prozent wären die Kosten der Ausbildung insoweit refinanziert, als sie der Höhe nach den in § 69 Nr. 11 Satz 5 Schulgesetz genannten Personalausgaben für den Lehrkräftebedarf des entsprechenden Bildungsgangs an den staatlichen Schulen betreffen.

Mit Blick auf die verbleibenden, außerhalb von Finanzhilfe und Schullastenausgleich zu refinanzierenden Personalausgaben, Investitionsmittel und spezifischen Ausbildungsprofilkosten würden die Ersatzschulen nach der aktuellen Rechtslage der Ersatzschulfinanzierung im Schulgesetz M-V auch bei Förderung in Höhe von 100 Prozent der berücksichtigungsfähigen landesdurchschnittlichen Lehrerpersonal-Planausgaben voraussichtlich nicht vollständig auf Schulbeiträge verzichten können. Nach dem Vorbild Niedersachsens und anderer Bundesländer bei der Ausbildung im Bereich Altenpflege sollte das Land deshalb Schülerinnen und Schülern bei der Wahl des Ausbildungsberufes Erzieher unterstützen und eine Ausbildungsbeihilfe zahlen. Anspruchsberechtigt wären die Schülerinnen und Schüler, die sich für die Ausbildung zum Sozialassistenten und Erzieher entscheiden. Hierdurch würden finanzielle Aufwendungen für die vollzeitschulische Ausbildung größtenteils kompensiert und der Stellenwert einer solchen Ausbildung und der entsprechenden Berufswahl erhöht.


5. Aus Sicht der Schulträger nehmen wir im Folgenden ergänzend zu Einzelfragen Stellung, soweit im oben Gesagten nicht bereits Ausführungen gemacht wurden:

Gibt es bei den privaten beruflichen Schulen in M-V ebenfalls Interesse, die neue duale Ausbildung als Kitafachkraft anzubieten.
Für den Fall, dass der Gesetzgeber eine neue Form der Erzieher- oder Fachkraftausbildung gesetzlich festschreibt, werden auch die privaten Fachschulen eine für die angesprochene Berufsgruppe qualitativ bestmögliche Ausbildung anbieten. Ungeklärt ist das entsprechende Verfahren: Bislang hat sich das Bildungsministerium nicht zu unserer Anfrage aus März 2017 geäußert, ob die Ausbildung im Rahmen bestehender Fachschulgenehmigungen angeboten werden kann oder ein Genehmigungsverfahren mit dem in § 1 Abs. 1 Privatschul-VO M-V vorgesehenen zeitlichen Vorlauf von mindestens einem Jahr erforderlich ist (Antragstellung bis zum 31. August des jeweiligen Vorjahres zum kommenden Schuljahr). Ebenso ungeklärt ist, ob bei Einführung der Ausbildung bei den entsprechenden Ersatzschulträgern eine erneute dreijährige Wartefrist ausgelöst würde, während der für die Schülerinnen und Schüler kein Anspruch auf Finanzhilfe gegen das Land besteht (§ 127 Abs. 6 SchulG M-V). Eine solche Wartefrist würde die privaten Schulen von der neuen Ausbildung faktisch ausschließen.

Wie viele Ausbildungsplätze können kurzfristig eingerichtet werden.
Wie viele Schulplätze freie Schulen in der neuen Ausbildungsform zur Verfügung stellen könnten, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden. Bislang sind weder Einzelheiten zu Curriculum, Stundenumfang, Lernfeldern, Zugangsvoraussetzungen, Verzahnung von Theorie- und Praxisphasen, Anforderungen an die Praxisanleiter bzw. Lehrausbilder, usw., noch zum Genehmigungsverfahren bekannt. Einzelne Schulträger haben Interesse signalisiert, an bestehenden Fachschulen kurzfristig jeweils eine Klasse mit bis zu 22 Schüler einrichten zu können. Dies wird jedoch nur gelingen, wenn ebenso kurzfristig entsprechende Genehmigungen des Bildungsministeriums erteilt werden, der schulische Ausbildungsteil auch an der privaten Fachschule schulgeldfrei ist und keine Wartefrist für die Finanzhilfe des Landes besteht. Der hierfür erforderliche Schülerkostensatz ist im Schulgesetz MV bislang nicht geregelt, so dass es für die praxisintegrierte Ausbildung an einer gesetzlichen Grundlage für die Finanzhilfe, zumindest der Höhe nach fehlt.

Sehen Sie ein Interesse der [...] privaten Schulen im Rahmen der dualen Ausbildung auch den Abschluss des Staatlich anerkannten Erzieher anzubieten und sollte insoweit gleich eine mögliche Anrechnung und Berücksichtigung in das KiFöG aufgenommen werden?
Aus unserer Sicht sollten Angebote der berufsbegleitenden Ausbildung, z.B. von Kinderpflegern, Sozialassistenten und anderer einschlägiger Berufe zum Erzieher ausgebaut werden, um sowohl das Fachkräfteproblem zu lösen als auch dem Qualitätsanspruch der Erzieherausbildung auf Fachschulniveau gerecht zu werden. Ein Zwischenschritt Pädagogische Fachkraft ist unnötig; für benötigte Assistenzkräfte ist die Ausbildung zum Kinderpfleger und Sozialassistenten etabliert, bundesweit anerkannt und anschlussfähig. Viel entscheidender für die Berufswahl sind die gesellschaftliche Anerkennung des Berufes und attraktive Arbeitsbedingungen. Hierzu gehört nicht nur das Lohnniveau sondern auch die Verbesserung individueller und vertraglicher Arbeitsbedingungen (mehr Vollzeitstellen statt Teilzeitarbeit, keine befristeten Arbeitsverträge, Bezahlung nach tarifvertraglichen Regelungen, Urlaubsanspruch, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen, Gesundheitsprävention, Förderung von Weiterbildungsmöglichkeiten, Zusatzqualifikationen).

Sehen Sie die Notwendigkeit, die Ausbildung mit Abschluss Staatlich anerkannter Erzieher zu evaluieren und zum Beispiel mit Blick auf die Befähigung zur Förderung in den einzelnen Bildungs- und Erziehungsbereichen, darunter der Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeit mit elementaren Musikinstrumenten, zu überprüfen?
Die Evaluation von Ausbildungsinhalten und die Anpassung an wissenschaftliche Erkenntnisse und berufspraktische Entwicklungen ist zu jeder Zeit sinnvoll. Rahmenplanentwicklung und Konzeptevaluation sind Bestandteile des schulischen Qualitätsmanagements. Die Erzieherausbildung beruht auf einem soliden Ausbildungskonzept, erprobt, überarbeitet und verstetigt. Die uns bekannten Fachschulen nehmen die Ausbildung in den einzelnen Bildungsbereichen sehr ernst - bis hin zu dem Anspruch, dass alle Schüler selbst ein Instrument lernen.

Welchen Umfang sollte – mit Blick auf die Arbeit in Kindertageseinrichtungen – eine pädagogische Zusatzqualifikation für die in § 11 Absatz 1 (neu) hinzukommenden Berufsgruppen haben?/ Sind Sie der Auffassung, dass die in § 11 Absatz 1 Ziffer 12 bis 18 des Gesetzentwurfs zur Änderung des KiföG M-V genannten Berufe die alltagsintegrierte, pädagogische Arbeit in Kindertageseinrichtungen vollumfänglich und eigenverantwortlich durchführen können (bitte begründen)?
Im Vergleich der pädagogischen Ausbildungsinhalte sollte eine solche Zusatzqualifikation einen zeitlichen Umfang von zwei Jahren haben:
(zum Vergleich: Pädagogische Ausbildung nach mittlerer Reife für
staatlich anerkannten Erzieher = 3.200 U.-Std.
Physiotherapeuten: = 200 U.-Std.
Ergotherapeuten: = 280 U.-Std)


Wie beurteilen Sie, dass der Abschluss aus der dualen Ausbildung als Kitafachkraft nicht bundesweit anerkannt wird?
In der fehlenden bundesweiten Anerkennung zeigt sich das Dilemma: qualitativ wird keine wirkliche Fachkraft ausgebildet. Bislang drehten sich Diskussionen darum, ob die Ausbildung zum Erzieher nicht eher eine Hochschulausbildung erfordert; künftig erreicht sie in M-V nicht mal mehr Fachschulniveau; die DQR-Einstufung fällt von Stufe 6 auf Stufe 4. Künftig in M-V Ausgebildete werden in anderen Bundesländern nicht als Fachkräfte tätig werden können und somit dem Land M-V erhalten bleiben. Ob diese Einschränkung beruflicher Mobilität der richtige Weg ist?

Besteht Ihrer Ansicht nach die Gefahr, dass mit der Öffnung der Berufe in § 11 Absatz 1 des Gesetzentwurfs zur Änderung des KiföG M-V für den Einsatz als Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen eine Konkurrenz unter den eingesetzten Fachkräften, zum Beispiel Erzieher/innen „erster, zweiter oder gar dritter Klasse“ entstehen?
Durch die drastisch gekürzte Ausbildung der „staatlich geprüften Fachkraft in Kindertageseinrichtungen“ gegenüber des staatlich anerkannten Erziehers kann der Erstgenannte nur maximal Erzieher 2. Klasse sein. Eine finanzielle Gleichstellung beider Berufe ist nicht gerechtfertigt und entspricht auch nicht der Einstufung innerhalb des DQR.

Wie beurteilen Sie die geplante Einführung einer neuen, dreijährigen, praxisintegrierten Ausbildung für den Bereich der Kindertagesförderung in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt sowie im Vergleich zu den bisherigen Ausbildungsmöglichkeiten in Mecklenburg-Vorpommern?
Die schulischen Ausbildungsplätze in M-V sind und waren ausgelastet. Der tatsächliche Mangel an Fachkräften in der Kita- und Jugendbetreuung entspringt also nicht der herbeigeredeten Unattraktivität der schulischen Ausbildung, sondern
a) der unzureichenden Zahl der Ausbildungsplätze und/oder
b) den schlechteren Arbeitsbedingungen für Erzieher in M-V (Gruppengröße, Gehalt) gegenüber anderen Bundesländern.
Bewerber für den neu geschaffenen Beruf werden zu Lasten der Schülerzahlen zum staatlich anerkannten Erzieher gehen. Insofern stehen nicht mehr Absolventen zur Verfügung als jetzt. Es wird lediglich einmalig einen Anstieg der Absolventenzahl als Folge der Verkürzung der Ausbildung auf 3 Jahre geben.

Sehen Sie die Gefahr, dass die in § 11 a Absatz 8 des Gesetzentwurfs zur Änderung des KiföG MV vorgesehene Ausbildungsvergütung im derzeitigen Finanzierungssystem der Kindertagesförderung in Mecklenburg-Vorpommern zu Lasten der Eltern und Wohnsitzgemeinden geht?/ Wie stehen Sie zu der in § 11 a Absatz 3 des Gesetzentwurfs zur Änderung des KiföG M-V vorgesehenen Regelung, Auszubildende mit einem Stellenanteil von 40 Prozent einer Fachkraft, insbesondere mit Blick auf die Befähigung der eigenverantwortlichen Tätigkeit mit Kindern in Kindertageseinrichtungen, anzurechnen?
Zur Vermeidung einer Kostensteigerung nimmt der Gesetzentwurf die Senkung des Qualitätsniveaus der pädagogischen Arbeit in den Kindertageseinrichtungen in Kauf: Durch die geplante Stellenanrechnung der Auszubildenden verschlechtert sich die tatsächliche Kind-Fachkraft-Relation. Denn für die gleiche Zahl zu betreuender Kinder stehen Ausbildungs-Kitas zur Refinanzierung der Ausbildungsgehälter künftig weniger Fachkräfte zur Verfügung und diese sind zusätzlich noch mit Ausbildungsaufgaben „gebunden“. Die Fachkräfte, die bisher die ständig steigenden Anforderungen an die pädagogische Arbeit der Kitas umsetzen, verfügen über eine fünfjährige (bis 2012) bzw. vierjährige Ausbildung. Nunmehr sollen 16-jährige Schulabgänger zu 40% einer o.g. Fachkraft auf die Fachkraft-Kind-Relation angerechnet werden.

Welche Auswirkungen haben Ihrer Ansicht nach die im Gesetzentwurf vorgesehenen Neuregelungen auf den derzeit bestehenden akuten Fachkräftebedarf in den Kindertageseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern? Kann der Fachkräftemangel durch die Regelungen beseitigt oder signifikant verringert werden?
Nach dem oben Gesagten rechnen wir damit, dass sich die Zahl der Auszubildenden insgesamt nicht erhöhen, sondern es eine Verlagerung der Schülerzahlen bei den Ausbildungsformen geben wird. Im Übrigen führt die Ausweitung des Fachkräftekataloges zu einer weiteren Verschärfung des Fachkräftemangels in deren eigentlichen Professionen. So ist es unverständlich, dass die im Gesundheitsland M-V schon jetzt nicht ausreichenden Physio- und auch Ergotherapeuten auch noch in die Kita abgeworben werden können. Gleiches gilt für Lehrer.


6. Abschließend nehmen wir Bezug auf Rückmeldungen aus angeschlossenen Schulen, die zugleich Einrichtungsträger von Kindertagesstätten sind:

a) Erweiterung der Fachkraft-Liste
Grundsätzlich ist es aus Einrichtungssicht sinnvoll, Personen mit Qualifikationen nach § 11 Abs. 1 Nr. 12-18 KiföG nF in den Kita-Betrieb aufzunehmen. Es stellt sich aber die Frage, ob man diese Personen als Fachkraft im Sinne des Gesetzes mit klassisch ausgebildeten Erziehern gleichsetzen kann, da der Schwerpunkt ihrer Ausbildung anders gesetzt war und gerade nicht auf die Bildung, Förderung und Erziehung von Kindern in der Kindertagesstätte oder im Hort ausgerichtet war. Erzieher sind damit ganz anders und intensiver für ihre Tätigkeit in der Kita qualifiziert. Dafür haben sie oftmals auch einen längeren Ausbildungsweg in Kauf genommen. Dies wird durch die Gleichstellung mit anderen, weniger pädagogischen Berufen (mit oftmals kürzeren Ausbildungswegen) egalisiert. Dies macht den Beruf des klassisch ausgebildeten Erziehers unattraktiv.

b) Verlagerung des Fachkräftemangels
Leistungen der in § 11 Abs. 1 Nr. 12 – 18 KiföG nF aufgeführten Berufsgruppen wären im Kita-Alltag willkommen, würden aber nicht abgerufen werden können, weil diese Personen aufgrund ihrer Einstufung als Fachkraft und der entsprechenden Berücksichtigung in den Entgeltverhandlungen der Kitas als Erzieher eingesetzt werden müssten und ihre besonderen Fähigkeiten gerade nicht abgerufen werden können. Die im Gesetzesentwurf angeführte Angebotsvielfalt kann nur erreicht werden, wenn diese Berufsgruppen zusätzlich in die Kitas kommen dürften und zusätzlich Geld für die Inanspruchnahme ihrer erworbenen und auch notwendigen Fähigkeiten im Ursprungsberuf zur Verfügung stünde. Ihr Einsatz als Erzieher wird dazu führen, dass ihre Fähigkeiten im Ursprungsberuf ungenutzt bleiben. Außerdem werden dann an anderer Stelle Fachkräfte fehlen, die in logopädischen Praxen, ergotherapeutischen Zentren und Krankenhäusern genauso wichtig sind, wie Erzieher in Kitas.

c) Kita-Alltag und Erwartungshaltung der Eltern
Wenn bis zu 25% der in einer Kita beschäftigten Fachkräfte durch Personen nach § 11 Abs. 1 Nr. 12 – 18, Nr. 8 und durch Assistenzkräfte gestellt werden, stellt sich die Frage, mit welcher Begründung dann Entscheidungen im Zusammenhang mit der Übernahme bestimmter Aufgaben im Kita-Alltag (Gruppenleitung, Vorschule, Sauberkeitserziehung, usw.) getroffen werden können. Die Kita-Finanzierung setzt einen sehr engen Rahmen für den Einsatz von Fachkräften, der sich an der Anzahl der zu betreuenden Kinder und dem Fachkraft-Kind-Betreuungsschlüssel orientiert. Wie wird man Eltern nachvollziehbar machen können, dass ihr Kind leider nicht vorrangig durch einen klassisch ausgebildeten Erzieher betreut wird, sondern dass dies beispielsweise durch einen gelernten Physiotherapeuten passiert, der sich noch nie mit Vorschulthematik in der Kita befasst hat, weil ihm schlicht das ausbildungsspezifische Hintergrundwissen fehlt?

d) Ausbildung zur geprüften Fachkraft für Kitas
aa) Finanzierung
Die Personen, die sich zur geprüften Fachkraft für Kitas ausbilden lassen, sollen mit einem Stellenanteil von 40% angerechnet und so über die Kita-Entgelte finanziert werden. Im Gesetzesentwurf heißt es hierzu, dass hierdurch keine zusätzlichen Kosten entstehen würden. Die Kosten entstehen beim Träger. Bisher hat er Personen durch qualifizierte Fachkräfte zu Erziehern ausgebildet und konnte oftmals im Gegenzug zumindest in der zweiten Hälfte der Ausbildung von einer zuverlässigen und helfenden zusätzlichen Hand profitieren. Dies nimmt Druck aus Personalengpässen und daraus resultierendem erhöhten Betreuungsbedarf, so dass man von einem Geben und Nehmen sprechen kann. Dieses Ausgleichsverhältnis fällt bei einer Anrechnung über einen Stellenanteil weg. Soweit ein Auszubildender mit Stellenanteil angerechnet werden muss, läuft er nicht mehr als auszubildende Hilfsperson mit, sondern es wird unterstellt, dass er zu 40% als Fachkraft gilt und entsprechend einzusetzen ist, weil nicht zuletzt mit Blick auf die Kita-Entgelte eine andere, klassisch ausgebildete, teurere 40%-Fachkraft eingespart wurde/ werden musste/ nicht durch eine klassisch ausgebildete 40%-Fachkraft ersetzt wurde. Sinnvoller könnte es sein, den Kitas zusätzliche Gelder zur Verfügung zu stellen, wenn sie Personen zu staatlich geprüften Fachkräften für Kitas ausbilden. Dies könnte an ein Nachweisverfahren gekoppelt sein, so dass nur die Kitas entsprechende Zuwendungen beanspruchen können, die auch tatsächlich ausbilden.

bb) Qualität
Es stellt sich die Frage, ob der geplante Ausbildungsgang den Qualitätsanspruch nach Bildungskonzeption erfüllen kann. Theorie und Praxis ergänzen sich. Zu wenig theoretisches Hintergrundwissen kann dazu führen, dass Abläufe in der Praxis nicht hinreichend verstanden werden und diese Ausbildung keine guten Fachkräfte hervorbringt. Zudem wird das Berufsbild des Erziehers auch hierdurch weiter verwässert und es stellt sich die Frage, wie weit wir uns von der ursprünglichen Zielsetzung nach einer Anhebung der Qualität in den Kitas entfernen.

e) Fazit
Dem Fachkräftemangel in Kitas sollte man nicht begegnen, indem man Fachkräfte aus anderen Bereichen abzieht. Dies führt nur zu einer Verlagerung des Problems. Das Berufsbild des Erziehers sollte klarer abgesteckt werden und es sollte nicht der Fall eintreten, dass klassisch und qualitativ gut ausgebildete Erzieher den Eindruck gewinnen, ihre Tätigkeit könne von einer Vielzahl anderer Personen ausgeübt und im Zweifel sogar mit Vergütung als 40%-Sofort-Fachkraft erlernt werden. Kita-Träger sollten nicht in die Verlegenheit geraten, sich zwischen günstigen und teuren Fachkräften zu entscheiden oder an der Ausbildung direkt am Auszubildenden zu sparen.

 

Christian Schneider
Landesgeschäftsführer

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