Berlin, 3. Juni 2015 – Nie zuvor wurden so viele Flüchtlinge in Deutschland erwartet wie in diesem Jahr. Der Verband Deutscher Privatschulverbände e.V. (VDP) fordert darum eine Überarbeitung der derzeitigen Flüchtlingspolitik. Vor allem im Bildungsbereich müssen Chancen genutzt werden. Nur so können die Herausforderungen des demografischen Wandels und seine Risiken für die ökonomische Entwicklung bewältigt werden.

Die Arbeitsagentur hat diese Woche Millionenhilfen und mehr Mitarbeiter vom Bund gefordert, um den Ansturm der Flüchtlinge und Asylbewerber auf den Arbeitsmarkt zu bewältigen. Der VDP unterstützt diese Forderung und verweist auf die Chance, mit gut ausgebildeten Asylsuchenden den steigenden Fachkräftebedarf zu sichern. Um das zu erreichen, müssen auch Flüchtlingen die Maßnahmen der Arbeitsmarktintegration ohne langfristig gesicherten Aufenthalt offenstehen. Zusätzlich bedarf es geeigneter Qualifikationsfeststellungen, um vorhandene schulische und berufliche Vorkenntnisse anzuerkennen. Dabei ist die Sprachqualifikation der Schlüssel zur gesellschaftlichen und beruflichen Integration. „Der Zugang zu einem Sprachkurs darf nicht durch hemmende Wartezeiten behindert werden“, so Dr. Klaus Vogt, Vizepräsident des VDP.

Das Bildungsangebot muss die unterschiedlichen Biografien sowie Bildungs- und Qualifikationsvoraussetzungen der Flüchtlinge und Asylbewerber berücksichtigen. Es gilt Bildungsdefizite zu reduzieren und Deutschkurse oder eine aufbauende Nachqualifizierung zu fördern.Schulen und ihre Schulsozialarbeit müssen unabhängig von ihrer Trägerschaft finanzielle und personelle Unterstützung erhalten. Außerdemwäre es sinnvoll, wenn vorhandene Strukturen, wie die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanzierten Deutsch- und Integrationskurse, mit Aussicht auf ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht genutzt werden könnten. „Durch diese Maßnahmen stünden der Wirtschaft kurz- und mittelfristig mehr Fachkräfte zur Verfügung, die wiederum in das Sozialsystem einzahlen“, so Dietmar Schlömp, Bundesgeschäftsführer des VDP.

Asylbewerber und Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen ist deshalb nicht nur eine humanitäre Pflicht, sondern zugleich ein Beitrag zur Sicherung von Fachkräften und ökonomischer Leistungsfähigkeit. Jeder Flüchtling muss die Möglichkeit haben, eine berufliche Ausbildung zu beginnen. Diese darf nicht an aufenthalts- und sozialrechtlichen Hürden scheitern. Die Beratungsangebote, die Flüchtlinge sowie ihre Berufsschulen und Betriebe im Integrationsprozess wahrnehmen können, müssen weiter ausgebaut werden. „Nur wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, können die Herausforderungen durch Flüchtlinge und Asylbewerber langfristig bewältigt werden“, so Dr. Klaus Vogt, Vizepräsident des VDP.

Pressemitteilung als PDF
Das Positionspapier des VDP „Flüchtlinge in Deutschland – Förderung von Bildung und Ausbildung“ 

Der Verband Deutscher Privatschulverbände e.V. (VDP) vertritt die Interessen von Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft im allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulbereich sowie in der Erwachsenenbildung und im tertiären Bereich (Fachhochschulen und Hochschulen). Der 1901 gegründete Verband mit Sitz in Berlin bindet seine Mitglieder weder weltanschaulich noch konfessionell oder parteilich. Verantwortlich für den Inhalt: Robert Renner, Pressesprecher