Berlin, 17. Juni 2015 – Die aktuellen Flüchtlingsströme stellen das deutsche Bildungssystem vor große Herausforderungen. Gleichzeitig birgt die Zuwanderung große Chancen für den Deutschen Arbeitsmarkt: Denn knapp 80 Prozent aller Flüchtlinge sind jünger als 35 Jahre. Bildung und Qualifikation müssen deshalb oberste Priorität haben, um eine schnelle Integration zu ermöglichen, dem demografischen Wandel langfristig entgegenzuwirken und die Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu schließen.

Eines der größten Probleme sind die Sprachbarrieren, bei der schulischen und beruflichen Integration. Der Zugang zu einem Sprachkurs darf nicht durch hemmende Wartezeiten und unnötige Rechtshürden behindert werden. Die Jobcenter müssen die Möglichkeit bekommen, ergänzende Sprachkurse zu finanzieren, falls die vorhandenen Deutschkenntnisse nicht ausreichen. Auch innovative Konzepte, wie virtuelle Sprachkurse, müssen in Erwägung gezogen werden. Die Sprachkompetenz ist die Bedingung dafür, die Flüchtlinge zu integrieren und zu einem schulischen und beruflichen Abschluss zu bringen. „Es müssen mehr finanziellen Mittel sowie schnellstmögliche Zugänge für Sprachkurse – unabhängig vom Asylstatus – garantiert werden, um die Menschen langfristig in die Gesellschaft zu integrieren“, so Dr. Klaus Vogt, Vizepräsident des VDP.

Die Jobcenter müssen finanziell und personell stärker unterstützt werden, um den Flüchtlingen eine möglichst zügige Arbeitsmarktteilhabe zu ermöglichen. Durch die unterschiedliche Biographien und Bildungsvoraussetzung der Menschen ist es erforderlich, die Qualifikation und den Förderbedarf schnellstmöglich festzustellen. Bisher erfasst dies keine Behörde zuverlässig. Es muss eine flächendeckende Qualifikationsfeststellung erfolgen, um geeignete schulische und berufliche Ausbildungsangebote und Anpassungsqualifizierungen zu ermöglichen. „Jeder Asylsuchende ohne Berufsausbildung muss die Möglichkeit haben, eine zeitnahe Ausbildung zu beginnen. Nur so stehen der Wirtschaft kurz- und mittelfristig dringend benötige Arbeitskräfte zur Verfügung“, so Dietmar Schlömp, VDP Bundesgeschäftsführer.

Schulen und ihre Schulsozialarbeit müssen unabhängig von ihrer Trägerschaft finanzielle und personelle Unterstützung erhalten. Eine einheitliche und länderübergreifende Regelungen in Bezug auf die Aufnahme und finanziellen Hilfen für Flüchtlinge ist dabei notwendig. Nur so kann Planungssicherheit bei den Bildungsträgern gewährleistet werden. Bei der Aufnahme einer beruflichen Ausbildung ist außerdem ein gesicherter Aufenthaltstitel erforderlich. „Ausgaben für Bildung und Qualifizierung sind Investitionen in die Zukunft. Nur damit können die Herausforderungen durch die Flüchtlinge und Asylbewerber langfristig bewältigt werden“, so Dr. Klaus Vogt, Vizepräsident des VDP.

Das Positionspapier des VDP mit dem Titel „Flüchtlinge in Deutschland – Förderung von Bildung und Ausbildung“ finden Sie unter http://bit.ly/1SVniCA.

 

Der Verband Deutscher Privatschulverbände e.V. (VDP) vertritt die Interessen von Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft im allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulbereich sowie in der Erwachsenenbildung und im tertiären Bereich (Fachhochschulen und Hochschulen). Der 1901 gegründete Verband mit Sitz in Berlin bindet seine Mitglieder weder weltanschaulich noch konfessionell oder parteilich. Verantwortlich für den Inhalt: Robert Renner, Pressesprecher